Matterhorn

EIN-TAGESTOUR MIT START & ZIEL IN ZERMATT

Bergtour

9min Lesezeit, 2.457 Wörter

  • Distanz: 31km 80% 80%
  • Höhenmeter: 3.100m 70% 70%
  • Technische Anforderung: UIAA III+ 65% 65%
  • Gesamterlebnis: Der Berg der Berge! 85% 85%

hard facts

Gipfel: Matterhorn, Monte Cervino
Route: Hörnligrat
Gipfelhöhe: 4.478m
Gebirge: Walliser Alpen
Region: Schweiz, Wallis
Start/Ziel: Zermatt Bahnhof
Datum: 26. August 2019, Start 03:30
Verpflegung: 3x Clif Bars, 3x Spring Energy Gel, 3x Mars Riegel, 1l Wasser
Wetter: Sonnenschein, wolkenlos, ca 20 Grad im Tal, ca 0 Grad am Gipfel

Informationen:
1)https://www.bergsteigen.com/touren/klettern/matterhorn-hoernligrat/
2)https://www.bergwelten.com/t/b/7013
3)https://www.alpenvereinaktiv.com/de/tour/matterhorn-besteigung/12613084/
(Bitte beachte: wir sind nicht von der Hörnlihütte gestartet, sondern von Zermatt Bahnhof)

INHALTSVERZEICHNIS

A. Vorbereitung
B. Teil 1 – Vom Bahnhof zur Hörnlihütte
C. Teil 2 – Das Labyrinth am Hörnligrat
D. Teil 3 – Die Fixseile
E. Teil 4 – Der Gipfel
F. Teil 5 – Abstieg
G. Fazit
H. Topo Download
I. Fotos
J. Video

Ausrüstung

(hier findest du ausgiebige Informationen zu meinem Equipment)

Schuhe: Scarpa Ribelle S OD
Bekleidung: La Sportiva Radial Pants , La Sportiva Artic Longsleeve, La Sportiva Headband, Petzl Irvis Hybrid Steigeisen, La Sportiva Hail Regenjacke, La Sportiva Hermes Hoody, La Sportiva Blizzard Windbreaker, La Sportiva Alpine Gloves
Ausrüstung: Camp Race Harnisch, La Sportiva Trail Carbon Stöcke, La Sportiva Mulaz Helmet, 3x Bandschlingen, 4x Karabiner, 2x Reepschnüre, Beal Backup Line 5mm 40m

TOURENBERICHT

 

VORBEREITUNG

Nach einer langen Woche in den Schweizer Alpen mit vielen Touren, vielen, vielen Höhenmetern und einem intensiven Wettkampf (Matterhorn Ultraks Extreme – zum Bericht), war es am Sonntag – nach einem rest day am Samstag – endlich soweit: David (Muhm) und ich machten uns auf den Weg, das berühmt berüchtigte Matterhorn zu besteigen! Wir entschieden uns dazu, alleine (also ohne Bergführer) von Zermatt aus zu starten, um innerhalb eines Tages auf den Gipfel und wieder zurück ins Tal zu gelangen. Tja, wenn die zwei Davids unterwegs sind, wird es selten eine einfache, herkömmliche Unternehmung auf traditionellem Wege – wir wollen herausfinden, was wir körperlich und geistig in der Lage sind zu erreichen und wie weit wir uns pushen können! Vor ein paar Wochen haben wir das dann sogar in einem technisch anspruchsvollen Teamrennen beweisen dürfen – dem ELS2900! Aber zurück zum Matterhorn:

TEIL 1 – VOM BAHNHOF ZUR HÖRNLIHÜTTE

 

Los ging’s mit einer frühen Anreise: wir nahmen einen der Züge, die am Wochenende auch nachts nach Zermatt fahren, aus dem benachbarten Täsch und erreichten um 03:00 den Bahnhof Zermatt (1.600m). Dort trafen wir uns mit Seana, die beruflich zu der Zeit in Zermatt zu tun hatte und uns auf unserer ersten Etappe in Richtung Hörnlihütte begleiten würde. Voll Aufregung, was uns an diesem Tag erwarten würde, starteten wir motiviert in Richtung Schwarzsee – nicht laufend, aber dennoch zügig marschierend, vergaßen wir alsbald die Kälte der Nacht und erfreuten uns am Sternenhimmel über dem Mattertal. Es war noch sehr früh, wir waren alle müde von den Anstrengungen der letzten Tage – immerhin hatten wir in der zurückliegenden Woche gut 100km und 11.000 Höhenmeter zurückgelegt – und genossen meist relativ still den gemeinsamen Aufstieg. Bis zur Hörnlihütte (3.260m) ist die Wegfindung nicht allzu schwierig und die Zeit – und die damit verbundenen Höhenmeter – verflogen wie im Flug. Nach ca 2:30h hatten wir die 1.700 Höhenmeter zur Hütte hinter uns gebracht und bereiteten uns nun auf den spannenden Teil dieser Tour vor – Wasser auffüllen, kleinen Snack essen, Handschuhe wechseln, Stöcke in der Hütte deponieren, Windjacke überziehen,… und los geht’s!

Nachdem wir uns von Seana verabschiedet hatten – der Plan war, sich zum gemeinsamen Abendessen in Zermatt zu treffen, um ihr dann hoffentlich von unserer erfolgreichen Besteigung zu berichten – machten David und ich uns auch in Richtung des Routeneinstiegs (3.280m), der 200m von der Hütte entfernt lag. Los ging’s mit ein paar kräftigen Zügen an einem Hanfseil, um die ersten Felsvorsprünge zu überwinden. Wir hatten noch nicht einmal 50 Höhenmeter hinter uns, als ich gleich einmal eine wichtige Lektion lernen durfte: als ich mich vorne über beugte, um meine Hose zu adjustieren, glitt meine Sonnenbrille aus der Brusttasche meiner Jacke und fiel zu Boden. Normalerweise kein big deal, am Matterhorn ist die Route allerdings so ausgesetzt, dass die Brille nicht liegen blieb, sondern auf nimmer Wiedersehen eine Felswand hinabstürzte. Damn – aber halb so schlimm, so lange Wasserflasche, Handy, GoPro nicht verloren gingen… Zu Beginn bewegten wir uns viel in steilem, relativ ausgesetztem Gehgelände, das zwar den Einsatz der Hände erforderte, aber noch nicht wirklich als Klettern einzustufen war.

Die größte Herausforderung bestand hier (wie zugegebenermaßen in der gesamten Tour) in der Wegfindung: trotz Topo und GPS verstiegen wir uns des öfteren und merkten dies eigentlich nur aufgrund der Tatsache, dass die Kletterei plötzlich eher einer III-IV Schwierigkeit glich und laut Topo hier eigentlich maximal I-II herrschen sollte… also wieder ein paar Meter abklettern und den richtigen Weg suchen. Hört sich einfach an, ist tatsächlich bei einem so stark frequentierten Berg wie dem Matterhorn gar nicht so einfach, denn Trittspuren findet man hier überall – nicht nur auf dem “richtigen” Weg. Wir folgten leider zahlreichen dieser “Versteiger” und fielen dadurch etwas hinter unseren Zeitplan zurück. Langsam aber sicher stiegen wir immer weiter auf und überholten auch schon die ersten paar Seilschaften – die, wie sich nach einem kurzen Pläuschchen heraustellte, auch auf eigene Faust unterwegs waren und mit der Wegfindung zu kämpfen hatten. Die Route, in der man sich stets am Rande der Ostwand bewegt, glich einem Labyrinth und kostete uns ganz schön Nerven, die wir uns eigentlich für die vermeintlich schwierigen Kletterpassagen reserviert hatten. Nach ca 2h am Hörnligrat erreichten wir endlich die untere Moseleyplatte, die erste IIIer Kletterstelle – zumindest wussten wir, dass wir hier richtig sind. Die kurze knackige Kletterei machte Spaß und versorgte uns mit neuer Motivation. Gleich nach der unteren Moseleyplatte erreichten wir die Solveyhütte (eine Notunterkunft für 6 Personen) auf 4.003m, gleich gefolgt von der nächsten IIIer Kletterei: der oberen Moseleyplatte. Auch diese meisterten wir zügig, aber leider war die schöne Kletterei viel zu schnell vorbei! Danach hatten wir wieder ziemlich mit der Routenfindung zu kämpfen, fokussierten uns aber darauf, immer weiter aufzusteigen, auch wenn wir teilweise weit abseits der eigentlich Route kletterten. Hier trafen wir auf die ersten Firnfelder und entschieden uns daher, die Steigeisen anzuschnallen. Und BAM! Anscheinend hatte ich aus meinem ersten Fehler nicht gelernt: als ich mir die Steigeisen zuschnallen wollte, fiel mir meine volle (!) Wasserflasche aus dem Rucksack und verabschiedete sich in die Nordwand des Matterhorns. Das bedeutete, für den restlichen Aufstieg – und den gesamten Abstieg – hatte ich kein Wasser mehr!

Bald danach begann es ernst zu werden: die ersten Fixseile – ca 4cm dicke Hanfseile – führten uns beinahe senkrecht rauf zur “Schulter” (4.200m). Die Fixseile sind in den Topos mit keinem Schwierigkeitsgrad versehen, sind meiner Meinung nach aber die körperlich größte Herausforderung bei der Besteigung des Matterhorn. Man zieht sich für ca 150 Höhenmeter beinahe senkrecht am Fels hoch – Tritte waren hier so gut wie nicht vorhanden, deshalb hieß es, Füße gegen die vertikale Felswand stemmen und fest anziehen. Wir improvisierten hier ein wenig und nutzten eine Bandschlinge + Karabiner als provisorischen Fallschutz, was den Aufstieg allerdings zunehmend erschwerte, da der Karabiner nachgezogen, immer wieder geöffnet und neu eingehängt werden musste. Als wir die Schulter erreicht hatten, brannten meine Unterarme ganz schön und ich war froh, dass wir erst wieder einmal Gehgelände (wenn auch extrem ausgesetzt) zu bewältigen hatten… allerdings nur für kurze Zeit, denn dann folgte der zweite Abschnitt mit den Hanfseilen. Erneut ca 100 Höhenmeter vertikal die Felswand hoch, mit den Steigeisen Halt am Fels und teilweise Eis suchend hatte ich auch hier ganz schön mit meinen Unterarmen und Fingern zu kämpfen.

Aber auch dieser Abschnitt ging irgendwann vorbei und wir fanden uns alsbald auf dem “Unteren Dach”, einem steilen Schneefeld wieder – hier galt es, vollste Konzentration zu bewahren. Der gesamte Weg am Hörnligrat ist sehr exponiert, aber hier oben, mit wahnsinnigem Tiefblick auf das 3.000 Höhenmeter weiter unten liegende Zermatt, fühlt sich diese Ausgesetztheit noch einmal etwas bedrohlicher an. Weiter ging’s auf das “Obere Dach”; hier wurde der Firn allmählich ein wenig flacher und es galt nur noch, sicher den Trittspuren zu folgen. Ein paar Minuten später grüßte uns am Schweizer Gipfel auch schon der Heilige Bernhard, der Schutzpatron der Bergsteiger – was für eine Erleichterung nach einem langen Tag im Labyrinth des Hörnligrats! Wir balancierten noch am “catwalk” rüber zum Italiener Gipfel, um in den Genuss der vollen Matterhornerfahrung zu kommen (hier steht das Kreuz) und atmeten erst einmal TIEF durch! Wir hatten es geschafft! Wir standen am Matterhorn – DEM MATTERHORN! Was für ein Wahnsinnsgefühl! Völlig alleine am Gipfel, saßen wir einfach nur da und genossen das traumhafte Wetter und die unglaubliche Weitsicht…

Nach ein paar Minuten, in denen wir den Gipfelerfolg genossen und uns stärkten, machten wir uns an den Abstieg. Die Fixseile waren abwärts genauso anstrengend wie aufwärts und ich hatte am Ende schwer mit Krämpfen in den Fingern und Unterarmen zu kämpfen… als wir diese aber hinter uns ließen und die Steigeisen abschnallten, kamen wir etwas flotter voran. An der Oberen und Unteren Moseleyplatte entschieden wir uns dann, aufgrund unserer Müdigkeit, uns abzuseilen, anstatt abzuklettern – dauert zwar etwas länger, aber nach einem so langen Tag (es war inzwischen 13:00) war dies die smartere Entscheidung. Wir fanden uns nun wieder im unteren Teil des Grates und taten dasselbe wie im Aufstieg: wir verstiegen uns ständig und fanden einfach nicht den richtigen Weg. Oft mussten wir wieder zurück aufsteigen, um nach der richtigen Route zu suchen. Mit der Zeit ärgerte uns unsere Unfähigkeit zunehmends und wir wurden etwas ungeduldig… just in dem Moment sahen wir links von uns, direkt am Grat eine 3er Seilschaft abklettern und wir riefen ihnen zu, ob sie denn auf dem richtigen Weg wären. Wir kletterten wieder zurück hinauf und schlossen uns der Truppe an. Es handelte sich um einen jungen Bergführer und zwei Kellnerinnen der Hörnlihütte, die einen Nachmittagsausflug machten. Wir stiegen die restlichen 400 Höhenmeter gemeinsam mit ihnen ab und bedankten uns recht herzlich für die Hilfe – ohne die drei würden wir wahrscheinlich heute noch in der Ostflanke herumirren. Nach der Hörnlihütte packten wir den Laufschritt aus, um die 12km zurück nach Zermatt zu laufen. Die Oberschenkel machten sich inzwischen auch bemerkbar und wir konnten es kaum erwarten, uns den Bauch voll zu schlagen! Schlussendlich trafen wir uns zwei Stunden später unten in Zermatt mit Seana und kehrten – ganz untypisch in einer Dönerbude – ein, um mit einer großen Cola und haufenweise Veggiedürums auf unseren Gipfelerfolg anzustoßen!

Puhhhhh – GESCHAFFT! Zermatt-Matterhorn-Zermatt in einem Tag!!!!!

FAZIT

Die Besteigung des Matterhorn ist für viele Bergsteiger ein lange gehegter Traum und was soll ich sagen… es zahlt sich auf jeden Fall aus! Man bekommt jetzt allerdings keine großartige oder schwierige Gratkletterei geboten, sondern ist zumeist mit der Wegfindung beschäftigt – am Ende dann aber auf diesem geschichtsträchtigen Gipfel zu stehen, ist es auf jeden Fall wert! Die Fixseile sollten auf keinen Fall unterschätzt werden, sind sie doch sehr kräftezehrend. Generell würde ich den meisten empfehlen, diese Tour mit einem Bergführer zu unternehmen; dann ist man viel schneller und effizienter unterwegs – wir haben dies selbst im Abstieg gesehen, als wir uns einem lokalen Führer anschlossen und bestimmt doppelt so schnell (und ohne Versteiger) vorankamen! Und offensichtlich sollte man sich an eine Ein-Tages-Tour nur mit der nötigen Fitness wagen – ansonsten bietet die Hörnlihütte einen tolle Ausgangspunkt für diese klassische Tour! 

 

 

 

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Bitte beachte:
Hier handelt es sich um einen persönliche Tourenbericht, keine allumfassende, lückenlose Tourenbeschreibung! Um sich auf Touren wie diese vorzubereiten, bedarf es stundenlanger Recherche mehrerer, verschiedener Quellen. Meine Quellen findest du unter “
Informationen

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